23.9.06
Kommunalpolitischer Abgesang
Einige Tage nach der desaströsen Kommunalwahl und einen Tag vor der
Stichwahl für den Regionspräsidenten (schnell, ohne nachzudenken: wie
heißen die beiden Kandidaten und worin unterscheiden sie sich?), die
als die niemand interessiernde Abstimmung in die Geschichte der
Negativ-Rekorde eingehen wird, ist es Zeit für einen Gedanken, der
mich seit dem bewegt hat:
Haben wir wirklich so schlechte Arbeit gemacht?
Also im Jugendhilfe-, Migrations- und Kulturbereich überhaupt gar
nicht. Da waren wir klasse! Was haben wir für Zeit und Ideen
investiert, haben Briefe geschrieben, Besuche gemacht, uns beschimpfen
und belabern lassen, haben Problemen gelauscht und Anträge
geschrieben, Presseerklärungen erdacht und Partys organisiert.
Aber NIEMANDEN interessiert das.
Immerhin wissen wir das jetzt, daß dieses Engagement absolut
überflüssig war. Abegesehen davon, daß es ja oft auch Spaß gemacht
hat. Aber für die CDU, für die Wahlen, für die hard Facts war das so
überflüssig wie nur irgendwas. Wer kennt schon den
Fraktionsvorsitzenden der CDU im Rat der Landeshauptstadt Hannover?
Niemand! (Der unterliegt bei den Wählern immer dem Besitzer des
Ladens, wo sie ihr Hundefutter und ihr Klopapier kaufen.)
19.6.06
Little Oktoberfest of the North
HTS-Chefin Marianne Krohn möchte das Schützenfest international
vermarkten und als Sehenswürdigkeit für ausländische Touristen
aufbauen. Ihre Idee: Statt Schützenfest Hannover soll es international
?Little Oktoberfest of the North" heißen. (NP, 16.6.)
Glänzende Idee: der Maschsee wird zukünftig zum "Little Mittelmeer of
the North", Hannover 96 zum "Little Real Madrid of the East" und schon
sind wir Hannoveraner alle unsere Minderwertigkeitskomplexe los!
11.6.06
Instinkte
"CDU-Chef Toepffer wirft der Ratsfraktion Instinktlosigkeit vor." Was
war geschehen? Die Fraktion hat sich doch bislang immer für Toepffer
ausgesprochen. War das instinktlos?
Nein, die Fraktion stimmt im Rat gegen einen Antrag der FDP, die
Ladenöffnung im Bahnhof zu klären. So weit so gut.
Komisch, daß sich Toepffer blind einreiht in die Wirtschaftsgläubigen,
die meinen, immer mehr und immer länger offene Verkaufsflächen nützten
der Stadt.
ECE zu beschließen, die Super-Shopping-Mall am Bahnhof, war schon der
falsche Weg. Er schadet der Innenstadt. Und ein rund um die Uhr auf 3
Ebenen offener Bahnhof zieht noch mehr Kaufkraft aus den alten
Geschäftsvierteln rund ums Kröpcke ab.
Instinktlos? Ist wohl nur, der Verödung der hannöverschen Innenstadt
so tatenlos zuzusehen und noch mehr, sie aktiv mit zu betreiben!
6.4.06
Palmenstrand am Tiefdruckrand
Ein Palmenstrand soll auf einem hannöverschen Parkhausdach entstehen -
Liegestühle,Sand, Bars und kühle Drinks sollen bald an der Mehlstraße
auf die Hannoveraner warten. Eine klasse Idee!
Allein: wenn ich in den hannöverschen Himmel schaue, wäre ein Standort
ganz unten in einer TIEFGARAGE wohl angemessener gewesen - da könnte
man wenigstes den Sommer über trocken sitzen - und beheizbar wäre es
noch obendrein!
22.3.06
Tagebuch einer angekündigten Täuschung.
Ich versuche vielmehr abzulenken von den kleinen kommunalpolitischen Fälschungen, von den Puff-Verhinderungs-B-Plan-Änderungen, von der kleinbürgerlichen Doppelmoral, die unsere Stadt fest und erbarmungslos in ihren Krallen hat und kein verstecktes Edel-Bordell auf der Georgsstraße zulassen kann, sobald sie davon erfährt.
Denn der hier verlinkte Blog weitet unseren Blick auf etwas Globales und ist dabei zugleich noch subtil und intelligent. Eine Spurensuche, eine Schnitzeljagd im Netz mit dem Ziel, Wikipedia, die neue Bibel der internetgläubigen Halbbildung, zu unterwandern.
Link: Tagebuch einer angekündigten Täuschung
Lesen, verfolgen, und dann auf die Idee kommen, daß man nicht nur Politiker-Reden mißtrauen sollte...
13.3.06
Weil stellt Hannover Armutszeugnis aus
"Das Integrationsbarometer sinkt": Damit spricht Stephan Weil etwas
Wahres gelassen aus. Und bescheinigt damit gleichzeitig den bisherigen
rot-grünen Bemühungen in Hannover klares Versagen.
Richtig so! Denn in Hannover wurden Migranten bislang nie wirklich
gefördert, nie wirklich gefordert. Lächelnd wurde alles als gut
befunden, was die Stadt sich als Weltoffen und Bunt auf die Fahnen
schreiben konnte.
Aber die Zeiten, in denen sich Migrationspolitik auf die Unterstützung
oppositioneller Gruppen und die Ausrichtung von multikulturellen
Stadtteilfesten beschränkte, müssen endlich endgültig vorbei sein.
Daher ist der Plan von Dirk Toepffer, einen Fachbereich mit allen
Fragen rund um die Migration zu betreuen, absolut richtig. Die
Probleme der Migrantinnen und Migranten müssen professionell Chefsache
werden.
Daß Weil jetzt eine Lenkungsgruppe einrichten will, die eine
Querschnittausfgabe installiert, zeigt nur, daß Migrationspolitik
bislang in der Stadt nur eine unwichtige Nebenrolle gespielt hat,
Komparsin war für die Inszenierung einer selbstgefälligen Stadt.
27.2.06
Dummer Streik
Ab Montag also streiken in Hannover die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der städtischen Kindertagesstätten. Der aufmerksame
Beobachter des politischen Geschehens reibt sich verwundert die Augen:
im ehemaligen Landkreis wird doch nur zwei Tage gestreikt, in Hannover
die ganze Woche - hat nicht die Landeshauptstadt gerade erst einen
Tarifvertrags ausgehandelt, der bis 2010 Arbeitszeiten und Entlohnung
regelt? Warum also wird Hannover besonders hart getroffen, wo doch die
Mitarbeiter gar keinen Streik-Grund haben?
Und es kommt noch dicker: dieser Streik trifft ausgerechnet die
Schwächsten der Schwachen. Ausfallende Opernabende, überquellende
Mülltonnen? Alles ok. Geschenkt. Gutes Recht. Aber den Arbeitskampf
auf dem Rücken von Kindern und alleinerziehenden und berufstätigen
Müttern und Vätern auszutragen, ist schäbig und gemein!
Es gibt doch eine Not-Betreuung? Eher eine Not-Verwahrung! Kinder sind
keine Autos, die man in jedem X-beliebigen Parkaus einfach so
abstellen kann. Wenn das aber die Einstellung der Erzieher in den
Einrichtungen ist, dann Gute Nacht. Dann können wir alle noch so gut
gemeinten Bildungsaufträge und Qualitätsstandards vergessen!
16.2.06
Spam-Blog
Länger keine aktuellen Texte mehr gefunden auf Ratspost-Hannover.de?
Das hat seinen Grund: Die lieben Anbieter von Blogger hatten die
Ratspost als sog. "Spam-Blog" eingestuft.
Was das bedeutet? Nun, eigentlich war diese Einstufung nur eine Frage
der Zeit. Denn in den FAQ dazu heißt es: "Spam-Blogs ... können am
irrelevanten, wiederholten und sinnlosen Text erkannt werden."
Danke!
Ärgernis des Jahres
Immer wieder beschwerten sich die Anwohner des Vahrenwalder Parks in
den letzten Jahren über abendliches Grillen oder kleine
rotweintrinkende Grüppchen auf der Wiese. Nach den nun zu erwartenden
Open-Air-Events an der Reithalle werden sie sich sicher diese
idyllischen Zustände zurückwünschen.
Ausbaden müssen wird das die lokale SPD. Aber was kümmert das die
Genosen im Rathaus schon. Die haben zwar vermieden, im ZDF zum
"Ägernis der Woche" zu werden. Für die Vahrenwalder Bürger wird
Rot-Grün damit allerdings zum Ärgernis des Jahres...!
Unbeeindruckt von schwerem medialen Geschütz (Kamarateams bei
Bezirksratssitzungen) und Krokodilstränen (die angeblich ohne die
Fläche drohende Pleite trotz Herman & Tietjen) war der Bezirksrat
standhaft geblieben: der Park, mit öffentlichem Geld für die Bürger in
Vahrenwald eingerichtet, sollte nicht zur bloßen Kulisse für PR-Events
verkommen, sondern in Gänze den Bürgerinnen und Bürgern erhalten
bleiben.
Dabei hatte der Bezirksrat den Betreibern der Reithalle sogar noch
eine goldene Brücke gebaut: ja zur temporäre Nutzung, die Fläche sogar
mit einem Zaun absperrbar; aber weiterhin die Nutzungsmöglichkeit
durch die Öffentlichkeit: spielende Kinder, ausruhende Rentner. Doch
Cavallo vertritt die Ansicht "ganz oder gar nicht" und zeigte sich in
den Gesprächen mit der Verwaltung keinen Deut kompromißbereit.
Sehr enttäuschend, daß die SPD-Ratsfraktion Ihren Kollegen in
Vahrenwald/List in den Rücken fällt. Die CDU-Ratsfraktion hingegen
stärkt dem Bezirksrat den Rücken: volle Unterstützung für den Antrag
der "Vor-Ort-Politiker".
13.2.06
Theatrio: Rückenwind für Figurentheaterhaus
Gute Nachrichten für Theatrio, dem Zusammenschluß von drei
Figurentheater in Hannover:
Auf einer Veranstaltung des CDU-Ortsverbandes Vahrenwald/List zusammen
mit Theatrio am Freitagabend sagte Kulturdezernent Harald Böhlmann
seine persönliche Unterstützung für das "Figurentheaterhaus Hannover"
zu.
Großes Lob von der CDU, die bislang eine so klare Haltung der Stadt
vermißt hatte: Endlich kommt Bewegung in dieses einmalige Projekt. Mit
dem vollen Einsatz des Kulturdezernenten und einem zu bestimmt schon
3/4 überzeugten Wirtschaftsdezernenten hat das Figurentheaterhaus am
Großen Kolonnenweg denkbar gute Voraussetzungen,
Wirklichkeit zu werden. Der mutige persönliche Einsatz von Herrn
Böhlmann mit all seinen Kontakten und Beziehungen ist für die
Verwirklichung ein ein denkbar positives Signal. Es wäre aber auch in
der Tat nicht akzeptabel, diese großartige Chance ungenutzt zu lassen.
Auch Bezirksbürgermeisterin Edith Bastian zeigte sich begeistert von
den Künstlern und ihren professionellen Plänen. Sie sagte die
uneingeschränkte Unterstützung des Bezirksrates Vahrenwald/List zu.
Besser geht es nicht!
Nun gilt es natürlich noch, die Mehrheitsfraktionen im Rathaus zu
überzeugen. Bislang nämlich konnte sich Rot-Grün (im Gegensatz zur
CDU) noch nicht so recht für das Haus begeistern, in dem neben einer
Bühne auch ein kleines Puppenspieler-Museum, Kurse für Puppenspiel und
-Gestalten und vielleicht sogar ein Jazz-Keller untergebracht werden
soll. Ein Antrag der CDU, im Haushalt Geld für eine Mitarbeiterin
einzustellen, scheiterte am Votum von Rot-Grün.
Wir zumindest glauben fest an die Verwirklichung dieses Traums und
übergaben schon den ersten 'Grundstein' für den Umbau - eine Kiste
Herrenhäuser: Etwas, was auf keiner Baustelle, und sei sie noch so
groß, fehlen darf!
siehe auch: www.theatrio.de
31.1.06
"Pakt für Kunst" soll Kunstmuseum für Hannover bauen
Die Anhörung im Historischen Museum zur
Museumsentwicklungsplanung hat uns die Ideen- und Visionslosigkeit der
Stadt drastisch vor Augen geführt. Schade, daß die hochbezahlte,
hochkarätig besetzte Stadtverwaltung so lange auf diese externen
Impulse verzichtet hat und einen Museumsentwicklungsplan wieder und
wieder verzögert hat. Nun kommt es darauf an, was wir daraus machen.
Mein Vorschlag: Wir müssen jetzt beginnen, mutig an der
Museumslandschaft zu arbeiten. Am besten in einem "Pakt für Kunst",
dem Land, Stadt, die Museen, die hannöversche Wirtschaft und Vereine
und Stiftungen angehören. Unter der Federführung des Kulturdezernenten
stehen dann im Mitelpunkt: der Ausbau der vorhandenen Museen und "der
große Wurf": ein Kunstmuseum für Hannover!
Es ist doch schon seltsam: überall in Deutschland gelingt es, privat
finanziert neue, spektakuläre Museumsbauten zu errichten - nur in der
Expo- und Messestadt Hannover soll noch nicht einmal der 3.
Bauabschnitt des Sprengel-Museums möglich sein? Das kann ich einfach
nicht glauben!
Wir müssen die Stärken der hannöverschen Museumslandschaft
herausarbeiten und uns fehlt ein "großer Wurf". Die Kulturpolitik der
Stadt muß den Fokus setzen weg vom Tagesgeschäft der
Vorplatzsanierungen und des Fassadenwasserdichtmachens (das ist eine
selbstverständliche Alltagsaufgabe) hin zum großen Ganzen.
5.1.06
Die WM-Karten-Lüge
Wir Ratsdamen und Ratsherren haben es mal wieder viel zu gut. Nicht,
daß wir schon genug Privilegien hätten - jetzt bekomen wir auch noch
je zwei WM-Karten!
Na gut - nicht geschenkt, wir müssen sie bezahlen.
Ok - nicht fürs Endspiel, nur für Angola gegen die Sächsische Schweiz
oder wer genau hier in Hannover spielt.
Aber offensichtlich Grund genug, mal wieder richtig neidisch auf die
faulen Raffkes aus dem Rathaus zu sein. Die freie Presse, deren
Vertreter gehäuft in der NP-Redaktion zu finden sind (und von denen
garantiert KEINER Freikarten für die Spiele in Hannover bekomt, da
lege ich echt meine Hand für ins Feuer! ;-), haben nach dem armen
Kollegen Fischer wieder alle ehrenamtlich Komunalpolitiker im Visier.
Und die Leser kochen vor Wut: kann doch nicht sein, daß die schon
wieder mehr bekomen als wir. Gemein!
Aber 1. ist die Menge von 2000 Karten verglichen mit den
Hunderttausenden von Karten, die an die OBIs und CokaColas dieser Welt
gehen und an gute Geschäftpartner verschenkt oder an braunes Zuckerwasser
trinkende Heimwerkerkönige verlost werden, lächerlich gering.
(Selbst die Continental hat ein riesen Kontingent, quasi als Dankeschön, die PKW-Reifen-Produktion aus Hannover abgezogen zu haben.)
Und 2. kann jeder, der jetzt neidisch auf die Damen und Herren des
Rates schaut, es 2006 bei der Kommunalwahl selber versuchen. Es ist
ein freies Land: wer in der Woche noch mal eben 20 Stunden für
ehrenamtliche Arbeit übrig hat, sich zutraut, Verantwortung für einen
Etat von 1,7 Milliarden Euro und knapp 10.000 MitarbeiterInnen zu
übernehmen, wer öffentlich beschimpft und verunglimpft werden möchte -
nur zu. Wir freuen uns auf jeden neuen Kollegen und jede neue
Kollegin!
PS: Ich bevorzuge Fußball ja im Kreise von Freunden. Und für den Preis
EINER Karten bekomme ich FÜNF Kisten Bier. Keine weiteren Fragen!
27.11.05
Ich war einkaufen!
Keine wirkliche Nachricht und schon gar nichts für einen Politik-Blog?
Na ja - nicht so ganz: ich war nämlich HEUTE einkaufen. Und heute war
Sonntag. Der 1. Advent. Bis auf H&M am Kröpcke und die Buchhandlung an der Marktkirche (aber die durften ja nicht anders, deren Ober-Chefin
hatte sich ja seit den frühen Morgenstunden betend und frierend an die
Kaufhof-Eingangstür gekettet, um gegen den jetzt endgültigen Untergang
des Abendlandes zu protestieren) hatten die Geschäfte in der Stadt
geöffnet.
Nun kann ich ja als Selbständiger die ganze Woche über einkaufen, wann
immer ich das in den engen Grenzen der Öffnungszeiten will und wie
immer das mein Geldbeutel verkraftet. Und trotzdem war ich heute in
der Stadt in der Hölle des Gedränges und war shoppen. Also eigenltich
idiotisch.
Warum machen Menschen das? Warum lecken Hunde sich die Eier? Weil sie es KÖNNEN!
Von Zwängen befreit machen Menschen Dinge, die sie nicht machen
müssen. Und sie machen es mit Freude. Weil Freiheit eine ganz tolle
Sache ist. Und weil all die moralinsauren Predigten der Gewerkschaftler und Kirchernmenschen uns nicht davon haben abhalten können. Ätsch! Selbst der Alt-Kanzler ist mir mit seiner Familie über den Weg gelaufen, ganz entspannt.
Wie sagte mein Pfarrer auf die Frage, was er dazu denkt? "Das soll
jeder selbst entscheiden" - und genau das haben wir getan, wir haben
mit den Füßen abgestimmt gegen die Mahner und Warner und Besserwisser und Weltretter und Besitzstandsbewahrer und gegen wen alles noch.
Wird Weihnachten jetzt ausfallen, nachdem der 1. Advent so entweiht
wurde? Sicher nicht - denn Gott hat uns seiner Sohn geschenkt, obwohl
er ganz genau wußte, daß wir am 1. Advent auch mal shoppen gehen
wollen!
31.10.05
Die Herrenhäuser-Blume
Ok. Die Werbung will uns weismachen, man könne - und solle auch ab und an - "Blumisch" sprechen. Ich habe mich natürlich sofort in meinem Garten umgehört, allerdings erfolglos: da spricht nix blumisch.
Dann fällt mir diese Anzeige in die Hände, schon recht betagt, aber heute aktueller denn je - endlich weiß ich, wie man Blumisch spricht und ich kann von mir behaupten, schon das eine oder andere Mal absolut blumisch gesprochen zu haben (zumindest solange, wie ich noch sprechen konnte...):

Blumen - die schönste Sprache der Welt!
Planloses Wunschkonzert
Der Stadt-Anzeiger, ungefähr eine Mischung aus SPIEGEL und ZEIT für
das Sub-Lokale, geht hart mit dem Bezirksrat Vahrenwald/List ins
Gericht. In einem "Planlosen Wunschkonzert" würden SPD und CDU in
einer großen Koalition der Unvernunft Gelder verbraten, die sie gar
nicht haben.
Das "Planlose Wunschkonzert" hat einen ganz einfachen Grund: die
Stadtbezirksräte agieren im luftleeren Raum. Sie haben beratende
Funktion, können ein paar Cent selber verwalten, sind aber ansonsten
auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen der Stadtverwaltung unterworfen,
die letztendlich über ihre Anträge entscheidet. Ein Stadtbezirksrat
muß eben nicht die Konsequenzen seines Handelns fürchten und das macht
sich dann eben wie beschrieben bemerkbar.
Die Lösung des Problems: gebt den Stadtbezirksräten endlich mehr
Kompetenzen, ein eigenes Budget, richtigen Handlungsspielraum. Vor
seiner eigenen Haustür kennt man sich am besten aus, weiß um die
Probleme und Sorgen der Menschen. Darum können und müssen wir der
Kommunalpolitik und den Stadtteilpolitikern endlich mehr zutrauen.
Und in "richtigen" Stadtteilparlamenten wird dann auch "richtige"
Politik gemacht werden - versprochen!
20.10.05
Garten-Theater
Typisch hannöversch: statt gemeinsam am Erfolg von Herrenhausen zu
arbeiten, rangeln die Beteiligten hinter den Kulissen um Posten.
Herrenhausen bleibt ein Gartenkunstwerk, in dem erstklassige
Kulturveranstaltungen stattfinden. Eigentlich ganz einfach. Und daran
wird kein Eigenbetrieb etwas ändern, egal ob Böhlmann, Clark oder gar
der arbeitssuchende Altkanzler Schröder Leiter wird.
9.10.05
Landmarke
"Du bist ja ne Marke" sagt der Berliner, wenn er - halb bewundernd -
an der Zurechnungsfähigkeit seines Gegenübers zweifelt.
Eine "Landmarke" soll der 80 Meter hohe Werbeturm werden, den der AWD
vors Niedersachsenstadion stellen will und dessen Entwurf bis auf ein
paar handverlesene Genossen noch niemand gesehen hat.
Begonnen hatte es mit der Idee der gigantischen Werbestele, als klar
wurde, daß das freitragende Dach des neuen Niedersachsenstadions die
geplanten und auf den Entwürfen zu bestaunenden großen AWD-Schriftzüge
statisch nicht würde aushalten können. So mußte der Namenssponsor neue
Wege der Präsentation seiner drei magischen Buchstaben finden.
Demnächst soll also ein riesiges Werbebanner zusammen mit Rathaus und
Marktkirche die Skyline Hannovers bestimmen.
Warum eigentlich so viel Aufwand, die Stadtansicht zu verschandeln?
Auf der Rathauskuppel ist genügend Platz für den AWD-Schriftzug...
Und auf der Marktkirche ersetzt zukünftig die Möwe Jonathan den Wetterhahn!
4.10.05
Geh aus dem Weg!
Während Deutschland weiter in Bewegungslosigkeit verharrt, Schröder
immer noch nicht aus seinem Traum erwacht ist (oder immer noch gegen
die Wirklichkeit putscht, wie der SPIEGEL schrieb), an dieser Stelle
nur eine kurze sportliche Einlassung:
Lieber Thomas Brdaric, wenn Du schon keine Tore schießt - geh
wenigstens aus dem Weg und behindere nicht andere, die ihrer Arbeit
erfolgreicher nachgehen! (Brdaric stand im Abseits, während Jiri
Stajner unhaltbar den Ball im Duisburger Kasten versenkte.)
28.9.05
Der verrückte Ringtausch
Ganz oft beweisen die Menschen, daß Denken eine Einbahnstraße ist.
Schröder will Kanzler bleiben, und er kommt aus der Nummer auch jetzt
nicht wieder raus, wo der Koks-Rausch vom Christiansen-Auftritt am
Wahlabend abgeklungen ist.
Die Stadt wollte mal die Villa Seligmann in ein Europäisches Zentrum
für Jüdische Musik werden lassen. Dafür sollte die Musikschule, die
bislang in der Villa ist, ins Haus der Jugend ziehen und die Gruppen,
die dort drin sind, sollten irgendwohin, denn der Zweck heiligt
bekanntlich alle Mittel.
Nun klappt die Finanzierung nicht so richtig mit dem Zentrum für
Jüdische Musik und die einfachste Lösung wäre: alles bleibt so wie es
ist.
Wenn da nicht die Einbahnstraße wäre.
Jetzt also soll es ein Ringtausch werden. Aufgepaßt: Die
Bismarckschule nutzt die OS Birkenschule, die Wilhelm-Raabe-Schule die
bisherige Grünverwaltung, das Haus der Jugend zieht ins Ihme-Zentrum
und die Musikschule in einen noch zu bauenden Anbau an die
Tellkampfschule.
Für die Haushaltskonsolidierung sollte die Villa verkauft werden.
Unterm Strich aber wird die ganze Umzieherei und Umbauerei den
Verkaufserlös komplett aufzehren, wenn nicht übersteigen.
Schilda.
20.9.05
Unschlagbar
Was für ein Wochenende. Der Kampf gegen einen schier unbesiegbaren
Gegner hat uns müde gemacht. Alles sah perfekt aus. Dann der
Rückschlag, die Niederlage. Und die Gewißheit: da wäre mehr drin
gewesen. Warum immer die Anderen gewinnen, auch wenn es über die
allerlängste Zeit so aussah, als könnten wir sie schlagen - diese
Frage bewegt die Herzen und die Zeitungen.
Was war ausschlaggebende? Die Mannschaft war auf allen Positionen
perfekt besetzt, das beste Personal, das wir zu bieten hatten. Die
Anhänger hochmotiviert, voller Erwartung und heiß auf den Sieg, der
schon so lange erwartet wurde.
Und doch hat es am Ende nicht gereicht und die Verantwortlichen stehen
ein wenig hilflos vor dem Ergebnis.
Hannover 96 unterliegt Bayern München mit 0 zu 1.
6.9.05
Schlaf in seliger Ruh
Stiiiihiiiiiile Naaacht, heiiiiiliiiige Naaaaacht, aaaaaalles
schlääääääft, eiiiiiiiinsam waaaaacht, nur die traaaaaaute,
hochheiiiiiiilige Schaaaaaar, Raaaaaaatsfraktioooooon,
Halleeeeeeelujaaaaa.
So. Die Sommerpause ist vorbei und schon sind wir mitten im
Weihnachtsfieber. Weil die Stadt gern anläßlich des Weihnachtsmartes
die Läden am 1. Advent öffnen möchte, setzt die CDU-Fration wieder
ganz auf ihre christlichen Wurzeln. Und da Dinge wie
"Wirtschaftsförderung", "Kundenfreundlichkeit" und "Liberalisierung"
im Angesicht des Allmächtigen gern mal im Hintergrund verblassen,
kämpft sie nun gegen die Sonderöffnung am 27. November.
"Damit die Verkäuferinnen an diesem Tag auch mal toll essen gehen
können, dann mit der Bahn in den Zoo fahren, mit dem Taxi wieder
zurück und wenn sie umkippen, kommt der Notarzt." Hat ein befreundeter
Gastronom zu mir gesagt.
Aus meiner Einzelhandelszeit weiß ich: im Einzelhandel freut man sich
eigentlich über die gewonnenen zwei freien Tage unter der Woche und
das extra Gehalt. Wir sind einfach kein christliches Land mehr und von
dieser wohlmeinend-christlichen Zwangsbeglückung halte ich überhaupt
gar nichts.
Ob die Stadt nun auf hat oder nicht: Die Menschen werden an diesem
Sonntag - wie auch an den anderen Advents-Sonntagen - auf den
Weihnachtsmarkt gehen und sich dort vergnügen. Und dort werden - wie
an unzähligen anderen Orten in der Stadt - Menschen arbeiten. Das hat
noch nie eine fromme Seele gestört...!
5.8.05
Wegelagerer an den Stadion-Parkplätzen
Die wenigen Parkplätze am Stadion sollen jetzt auch noch zur
Befriedigung der Profit-Gier der 96-Chefetage herhalten. Nicht nur die
Auswirkungen für die umliegenden Stadtviertel sind fatal, wie
Bausprecher Jens Seidel das sehr gut herausgearbeitet hat. Viel
schlimmer: das Verklapsen den Fans geht in eine neue Runde.
Die 96-Verantwortlichen gehen davon aus, daß Fußballfans unendlich
dumm und unendlich leidensfähig sind. Und sie haben recht! Was
ertragen wir alles: defensiven Langweiler-Fußball, astonomisch hohe
Preise, endlose Schlangen bei Einheitsbier und Einheitsbratwurst. Und
jetzt werden wir auch die Parkgebühr ertragen. Ganz einfach, weil wir
die Roten lieben. (Und Liebe macht bekanntlich blind.) Nur gemein, daß
das immer weiter schamlos ausgenutzt wird.
1.8.05
Hier gildet nur Herry
Alles läuft von Gilde weg! Allein im Rathaus von Hannover trinkt man
das Zeug noch. Bei offiziellen Anlässen, bei Empfängen, Feiern. Immer
wenn es darauf ankommt, wirklich gut auszusehen, schmeckt das Bier
nicht. Das darf nicht so weitergehen!
Natürlich konnte sich die Stadt nicht an die Spitze der
Abwanderungs-Bewegung setzen, nach all den Jahren der Zusammenarbeit
(und des Profitierens vom Sponsoring).
Nun aber muß die Stadt Hannover offiziell endlich zu Herry wechseln!
Herry zu trinken war bislang eine Frage von gutem Stil und gutem
Geschmack - jetzt ist es auch eine Frage der Liebe zu dieser Stadt:
Ins Rathaus von Hannover gehört ein Bier aus Hannover, hier gildet nur
Herry.
Auch ein Herryfreund? Mehr unter www.herryfreun.de
29.7.05
Immer die gleiche Leyer
Freud ist tot. (Aber entschuldigt das einen freudschen Verschreiber...?)
"Sozialministerin Ursula von der Leyern"
HAZ, Seite 13 - Freitag, 29. Juli 2005 - Nr. 175
BILD-Zirkus
Der Zirkus ist in der Stadt! Früher ein Grund mehr, alle Türen und
Fenster beim Verlassen des Hauses gut zu verriegeln, heute das Ziel
aller bürgerlichen Sehnsüchte und Träume. Löwen, Tiger, Sensationen.
Oder im Falle von Roncalli Karstadtwerbung, Clowns und die gefühlten 130
Kinder der Frau von der Leyen. Hannovers größte Sauna und zugleich der
am unbequemsten bestuhlte Promitreff der Republik - gleich nach dem
Bayreuther Festspielhaus.
Die absolut perfekte Inszenierung. Die absolut perfekte Inszenierung?
Ein kleines Team von Redakteurinnen und Redakteuren der BILD Hannover
waren ausgezogen, die glanzvolle Premiere mit einem glamourösen
Gewinnspiel zu adeln. Als Partner hatte man sich die "Street Motor
Show" gewählt, wie die BILD selbst offensichtlich keine wirklich enge Vertraute der
Duden-Redaktion.
"So einfach ist es mit BILD ... die Seper USA-Reise ... zu gewinnen."
Das ist ja wirklich Seper einfach! Die Frage, die den Landesministern
im Roncalli-Zelt Kopfzerbrechen bereiten sollte, hat es dann auch
Seper in sich: "Welches Auto fuhr Elvis? Bitte zutreffendes
ankreuzen."
Fiat Panda. Cadillac. Ford Fiesta. Jetzt bloß nicht durch die
Aufenthalte des Kings in Deutschland auf die falsche Fährte locken
lassen! Und nicht von unmotiviert verteilten Leerzeichen irre werden:
"Verlosung f indet am So.07. August um18
Uhr bei der ... auf dem ..."
Dann könnte nämlich passieren, daß der Seper Preis an wen anders geht.
Ach übrigens: "Gewinnen kann nur, wer bei der Verlosung persönlich
teilnimmmt!" Und wer gestern bei der Premiere teilgenommen hatte.
28.7.05
Hannover und die Biergärten
Vor einigen Tagen ließ sich Kollege Dette vernehmen, hinter der
Markthalle (da wo die Laderampen für die LKW sind und die
Müllcontainer stehen) sei doch ein ideales Plätzchen für einen
Biergarten.
Komisch: Bislang ist der baupolitische Experte der Grünen Ratsfraktion
eher ein Verhinderer von Biergärten gewesen. Den Bahnhofsplatz
beispielsweise, der durch parkende Autos, wartende Taxen und
verschrottete Fahrräder weitestgehend jeglichen Flairs beraubt ist,
wollte er vor einem Biergarten in seiner Schönheit schützen.
Aber kein unangebrachter Zynismus: offensichtlich leidet er an einer
Sozial-Phobie und dieser Platz war einfach zu öffentlich!
Und überhaupt: "was erhoffen sich die Menschen davon, neben der
Schnellstraße nach Konstanz oder neben einem Viertelpfund
Dalmatinerstuhl ein Schnitzel zu essen?" Harald Martenstein in der
ZEIT übers Draußenessen:
http://www.zeit.de/2005/14/Titel_2fMartenstein_14
Standard
"Wir müssen schon immer eine Standardwurst und Standardbier
verkaufen", sagt Helmut Pröpper, einer der Gastronomen, die vor dem
Stadion bislang eine Imbissbude betreiben. Geanu DAS ist Hannover: der
graue Gilde-Grammann-Einheitsbrei. Keine andere Wurst, kein anderes
Bier - es könnte ja jemand die Möglichkeit bekommen, vergleichen und
dann wählen zu können!
WASG für ein Briefkasten
Nein nein, der Kreisverband residiere nicht in den von der Stadt
bezahlten Räumen der WASG, da sei nur ein Briefkasten. Genau das habe
ich mir immer gedacht - der ganze Verein ist eben nur eine
Briefkastenfirma!
WASG: "Warum Arbeiten? Stadt Gibts!"
26.7.05
Der falsche Schmalle
Ein falscher Schmalstieg-Brief hat in der Südstadt für Angst und
Schrecken gesorgt, berichtet die NP in ihrer heutigen Ausgabe. Diese
Geschichte bedarf einer etwas tiefgründigeren Aufarbeitung.
Denn entweder haben die 100 Jahre im Amt dem OB so sehr geschadet, daß
er jetzt unkontrolliert an die Öffentlichkeit tritt (das Programm
"Hannover plus 10" hätte uns ja schon stutzig machen müssen).
Oder wir haben alle Schmalstieg-Dokumente der letzten Zeit einer
genaueren Prüfung zu unterziehen. Wirre Ideen mit der Unterschrift des
Oberbürgermeisters? Klar: Drucksache 0001/2005, Drucksache 0002/2005,
Drucksache 0003/2005, Drucksache 0004/2005, Drucksache 0005/2005,
Drucksache 0006/2005, ...
22.7.05
Rendezvous im Regen
Wo ich doch gerade darüber geschrieben habe: haben Sie in der NP von
heute den Bericht über das Rendezvous im Stadtpark gesehen?
Es hatte ja nun geregnet.
Nicht gerade wenig.
Es war quasi so, daß man keinen Hund vor die Tür gejagt hätte.
Und es war niemand gekommen.
(Warum auch, bei dem scheiß Wetter.)
Aber die Kollegen hatten so schön die ganze Seite freigehalten für den Bericht.
Also: drei Kinder (wahscheinlich die mit dem Taxi angereisten Kinder
des Fotographen) unter einen Schirm gestellt: fertig ist die Seite.
"Toll wars und alle haben sich super amüsiert!" Na ja - außer den drei
Gören war auf dem Foto - genau hinsehen! - im Hintergrund niemand zu
erblicken.
SO funktioniert PRESSE.
(Manchmal fühlt man sich echt im Regen stehen gelassen.)
Oh nein: Sommer vorbei!
Mögen die Spiele also beginnen. Der Bundespräsident beendet frech
unsere Sommerpause, in der man noch gestern ganz entspannt über
brüchige Deiche in Alt-Ricklingen, Verletzungssorgen bei der roten
Meistermannschaft und Nachwuchs im Zoo diskutieren konnte.
Vorbei die Zeit, die man hatte, darüber zu philosophieren, warum alle
Veranstaltungen, die die Neue Presse unter freiem Himmel durchführt,
ins Wasser fallen.
Keine Muße, darüber nachzudenken, warum Jan Ulrich in jedem anderen
Land nach zwei spektakulären Unfällen und einer trotzdem überirdischen
Tour-de-France-Leistung der Held der Helden wäre, nur nicht in
Deutschland. (Vielleicht, weil wir ja alle Fahrradfahrer sind und
beurteilen können, daß auf dem Rad zu sitzen gar nicht soooo schwer
ist...)
Der politische Alltag beginnt in der hannöverschen Regenzeit. Die
Schwarzen sind plötzlich ehrlich geworden und die Roten wollen endlich
anfangen zu regieren. Warum waren wir vorher nicht ehrlich und warum
wollten die anderen nicht vorher schon regieren? Bedurfte es
tatsächlich erst des schröderschen Staatsstreiches, die Parteien zu
diesen Erkenntnissen zu zwingen?
Na dann. Werden wir also Plakate kleben und Flugblätter verteilen.
Jetzt hört es bis zur Wahl bestimmt nicht mehr auf zu regnen.
17.7.05
Versuch über ein Editorial
Ein Blick hinter die Kulissen gefällig? Lust auf schmutzige Indiskretionen aus dem schillernden Reich der Kommunalpolitik? Erwarten Sie Hintergründe, die anderswo keinen Platz finden?
Dann sind Sie hier richtig. Begleiten Sie mich durch die wunderbare Welt der Kommunalpolitik in Hannover. Nach Möglichkeit aktuell, oft subjektiv und hoffentlich immer unterhaltsam.
Ein Weblog eben, diese neumodische Mischung aus Zeitung, Online-Magazin, Tagebuch und Schmierzettelsammmmlung.
Ratspost-Hannover.de - Was Hannover bewegt.